Montag, 2. Oktober 2017

Rezension: S. B. Sasori - Zwischen jetzt und nie geschehen

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Zwischen jetzt und nie geschehen

Autorin: S. B. Sasori
erschienen September2017
Books on Demand
ISBN: 978-3-7448-9500-2
düster, nachdenklich, toll geschrieben


Demian ist oft ruhelos und bleibt nie lange an einem Ort. Während er durch die Lande reist, trifft er viele unterschiedliche Menschen. Einige bleiben ihm in Erinnerung, weil sie ihn faszinieren, bewegen oder interessieren, andere vergisst er bereits kurz nachdem er sie das erste Mal gesehen hat. Doch Louan ist etwas ganz Besonderes. Der Geschichtenerzähler baut sofort eine tiefe Verbindung zu dem jungen Mann auf und nimmt ihn mit seiner Stimme gefangen. Was dann passiert ist ein wenig magisch, sehr sinnlich und geht tiefer, als man zunächst vermutet.


Ich habe schon einige Geschichten der Autorin gelesen und mag ihre manchmal recht düstere und gleichzeitig bewegende Art zu schreiben. Schon nach wenigen Seiten hat sie mich mit ihren Worten gefangen genommen und ich wollte unbedingt erfahren, was es mit Louan, Iven und Demian auf sich hat.
Sprachlich wechselt die Ausdrucksweise ein wenig in der Geschichte, je nachdem, wer die Oberhand in den Gesprächen hat. Manchmal ist es direkt, ehrlich und unbeschönigt, teilweise wird es aber auch sehr philosophisch, mystisch und geheimnisvoll. Mir hat diese Mischung gut gefallen, weil sie etwas Besonderes ist und einem auf der einen Seite sehr nah bringt, was in den Figuren vorgeht und was sie erlebt haben, auf der anderen Seite aber auch viel Raum für eigene Gedankengänge und Vermutungen lässt.

Durch die Ich-Perspektive von Demian und Iven erfährt man von den beiden jungen Männern am meisten Persönliches. Man bekommt nicht nur einen Einblick in ihre Lebensweisen, sondern auch in ihre Gefühle und die Entwicklung, die sie durchlaufen. Ihre Umgebung und Wohnorte scheinen auf den ersten Blick nicht so viel gemeinsam zu haben, doch nach und nach wird deutlich, dass es entscheidende Parallelen im Leben der Männer gibt, die sie einander näher bringen, als zuerst angenommen.

In der Geschichte sind verschiedene Elemente verarbeitet, die je nach Betrachtungsweise des Lesers einen unterschiedlichen Wert bekommen könnten. Ist es Magie oder Spinnerei, Erinnerung oder Illusion, sind es versteckte Geständnisse oder einfacher nur wirres, philosophisch klingendes Geschwafel? Am Ende muss der Leser selbst entscheiden, welche Botschaft er aus der Handlung zieht.
Mich hat es schon zum Nachdenken gebracht und ich habe viele ernste Hintergründe beim Lesen entdeckt. Sich selbst zu finden und nicht wieder zu verlieren in dem Dschungel an Informationen, Technik, Veränderungen und Schnelllebigkeit, ist nicht so einfach. Da hilft es, wenn es eine Konstante gibt, die einen immer wieder auf den Weg führt, den man eigentlich gehen wollte, den man bereit war zu gehen, auch wenn es in Vergessenheit gerät.
Zwischendurch gibt es auch sinnliche, leidenschaftliche Momente zwischen den Männern. Diese Passagen standen für mich allerdings nicht so im Mittelpunkt. Es ist Teil ihres Lebens und ihrer Erinnerungen, der ansprechend formuliert integriert wird. Der Fokus lag für mich aber schon auf den anderen Dingen, die die Männer prägen und bewegen, die ihnen Angst machen und vom Ziel abbringen, die ihnen Hoffnung machen oder sie zum Verzweifeln bringen.

Eine nachdenklich stimmende, stellenweise düstere, aber auch geheimnisvolle und magische Geschichte, die mit ihren unterschiedlichen Facetten Abwechslung mit sich bringt. Die Charaktere sind speziell und nicht so leicht in Schubladen zu stecken, es lohnt sich aber auf jeden Fall, sich mit ihnen ein wenig zu beschäftigen.


Vielen Dank an die Autorin für das bereitgestellte Rezensionsexemplar!

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