Freitag, 12. Januar 2018

Rezension: Emily Bähr - Ewig und du

 ©Impress
 Ewig und du

Autorin: Emily Bähr
erschienen Januar 2018
zum Verlag Impress (Carlsen)
ISBN: 978-3-646-60390-3
ernste Thematik, trotzdem viel Witz, Sarkasmus und Ironie

Lefke wurde in einer schicksalhaften Nacht mitten aus dem Leben gerissen. Als sie nach langer Zeit im Krankenhaus wieder zu sich kommt, ist nichts mehr, wie es einmal war. Ihre Träume - futsch, ihre Freundschaften – futsch, ihr Lebenswille – futsch. Und auch ihre etwas spezielle Familie hält sie nicht im Leben. Für Lefke steht alles fest, aber dann kommt es doch alles anders – ein weiteres Mal.


Durch die Ich-Perspektive erlebt man die Situation von Lefke sofort hautnah mit. Sie ist voll von Frust, Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. Alles, wofür sie vor ihrem Krankenhausaufenthalt gekämpft hatte, ist in so weite Ferne gerückt, dass sie keinen Sinn darin sieht, weiter zu machen. Man wird gleich gefangen genommen von ihrer Stimmung und bekommt Lefke ganz echt und unverblümt präsentiert.
Der Schreibstil ist flüssig und geprägt von Ironie und Sarkasmus, was gut zur Protagonistin passt. Obwohl ich finde, dass Lefke etwas extrem ist, kann ich viele Punkte, die sie beschäftigen, verstehen. Wenn ich mir vorstelle, im Rollstuhl zu landen und meine Träume wegschwimmen zu sehen, würde mich wohl auch Wut, Frustration, Verzweiflung und möglicherweise auch Selbsthass packen. Als Außenstehender zu sagen, dass Jammern und Aufgeben nichts bringt, ist immer leicht. Aber kann man es, wenn man selbst in dieser Situation gefangen ist?
Ich fand es schwierig, das für mich vollständig zu ergründen, daher ist es mir auch recht leicht gefallen, mich auf Lefkes Situation einzulassen und ihre, manchmal recht fiese und unfaire, Art und Weise mit anderen umzugehen, als eher natürliche Reaktion auf das Ganze zu betrachten.
Im Laufe der Geschichte ist eine deutliche Entwicklung bei der Protagonistin zu beobachten. Sie hinterfragt mehr und bemerkt selbst, dass ihre Sprüche oft die falschen Personen treffen. Rückschläge und Zweifelgehören genauso dazu, wie Fortschritt und Hoffnung. Langweilig wird es mit Lefke auf jeden Fall nicht so schnell.

Louis, der schüchterne, junge Mann, auf den Lefke während ihrer Geschichte trifft, ist ein ungewöhnlicher Protagonist. Zunächst wirkt er zwar etwas speziell, aber irgendwie auch sofort liebenswert. Nach und nach blickt man auch hinter seine Fassade und erfährt, was es mit ihm auf sich hat.
Die Eigenarten der beiden Hauptfiguren haben mich, trotz oft ernster Thematik, immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Die Figuren selbst treiben sich mit ihren Macken eher in den Wahnsinn. In jedem Fall sind sie etwas Besonderes und ich hab sie im Verlauf des Buches ins Herz geschlossen.

Immer wieder wird es sehr nachdenklich, manchmal etwas bedrückend und beklemmend, aber auch auf andere, positivere Weise emotional. Die Charaktere müssen einiges mit machen und haben einen steinigen Weg vor sich, der für unterschiedliche Personen, Herausforderungen bereit hält. Oft können sie sich gegenseitig Stützen, Kraft geben und motivieren, am Ball zu bleiben, manchmal sind sie gegenseitig aber auch die größte Hürde, die sie meistern müssen.

Ich habe mich in der Geschichte gut mitgenommen und unterhalten gefühlt. Die ernste Thematik verliert nie ganz an Beachtung, auch wenn sich die Protagonisten entwickeln und der Schwerpunkt nach und nach auf anderen Dingen lastet. Durch Ironie und Sarkasmus entstehen viele Szenen, die meinen Geschmack und Humor getroffen haben, sicher aber auch nicht von jedem gleich empfunden werden.


Vielen Dank an den Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar!

Kommentare:

  1. Hallo liebe Dana,

    das scheint auch mal wieder eine etwas tiefgründigere Liebesgeschichte zu sein. Die Behandlung solcher Themen finde ich immer mal ganz schön, schon alleine weil man mal einen Blick hinter solche Schwierigkeiten bekommt. Oftmals kann man sich die Situation selber überhaupt nicht vorstellen. ^^°

    Liebe Grüße, Toni

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    1. Hallo Toni,
      ich find es auch wichtig, dass man die "ernsten" Themen des Lebens nicht ausspart bei Geschichten, sie gehören genauso dazu, wie Glück, Liebe und Freundschaft. Und auch wenn man sich nicht unbedingt in sowas eindenken möchte, weil es natürlich nicht schön ist, sollte man eben auch nicht wegschauen. :)
      Lg Dana

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  2. Hallo Dana,
    danke für deine Rezension :) Ich muss gestehen das mir dieses Buch überhaupt nicht gefallen hat. Sie berührte mich nicht, und die Protagonistin fand ich ganz furchtbar.
    Aber zum Glück sind Geschmäcker verschieden, deshalb freue ich mich das dir dieses Buch doch so gut gefallen hat :)

    Viele Grüße
    Line

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    1. Hallo Line,
      schade dass dich das Buch nicht erreichen konnte. Aber du hast Recht, Geschmäcker sind einfach verschieden. Und wenn man nicht so recht Zugang zu den Protagonisten findet, kann ich mir gut vorstellen, dass es eher zäh ist, sich durch die Geschichte zu arbeiten.
      Die nächsten Bücher können dich bestimmt wieder mehr mitnehmen :)
      Lg Dana

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